Erziehung und Bildung

SOS Kita: Kinder und Beschäftigte gefährdet! Kollektive Gefährdungsanzeige

Mehr als 27.000 Unterschriften an JFMK übergeben
31.05.2024

Monatelang hatte sich der Fachvorstand Kita (Arbeitsgruppe des Bundesfachgruppenvorstandes Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit) auf diesen großen Tag – den Besuch bei der Jugend- und Familienministerkonferenz (JFMK) vorbereitet.

Nachdem im letzten Jahr auf die Notstände in den Kitas durch die Übergabe der Bildungspläne an Staatsarchive, Ministerien und Museen und von Oktober bis Weihnachten 2023 durch die Mahnwachen vor Staatskanzleien, Bundes- und Landesministerien aufmerksam gemacht wurde, haben sich die Erzieher*innen, Kinderpfleger*innen  und Sozialpädagog*innen des Fachvorstandes Kita entschieden, direkt mit den verantwortlichen Politiker*innen Kontakt aufzunehmen. Und wo geht das besser als auf der jährlichen Konferenz, wo sich alle zuständigen Minister*innen für die Kinder- und Jugendhilfe treffen?

Alle Beschäftigten der Kitas waren aufgerufen, sich an der kollektiven Gefährdungsanzeige zu beteiligen. In allen Bundesländern wurden Unterschriften gesammelt und anschließend auf große Transparente gedruckt.

So konnten am Freitag, den 24.05.2024, der Vorsitzenden der JFMK und Bremer Senatorin für Bildung und Kinder Sascha Karolin Aulepp 27.000 Unterschriften aus den Kitas übergeben werden. Dafür hatten sich einige ver.di-Aktive auf den Weg zum Bremer Parkhotel gemacht, in dem die JFMK tagte, darunter der Fachvorstand Kita, eine Delegation der Hamburger Elbkinder und eine Delegation von Kita Bremen und verschiedenen Freien Trägern aus Bremen.

 
Unterschriften-Transparente vorm Parkhotel Bremen

Die Kolleg*innen des ver.di-Fachvorstandes Kita haben der JFMK-Vorsitzenden ihre zentralen Forderungen vorgetragen:

Diana Walluks aus Brandenburg

1. Entlastende Sofortmaßnahmen: Professionelle Kräfte für Küche, Hausarbeit, Hausmeisterdienste und Verwaltung würden die pädagogischen Fachkräfte von nicht-pädagogischer Arbeit entlasten und so helfen, dass sie sich auf ihre Arbeit mit den Kindern konzentrieren können.

 
Solveig Malkus aus Sachsen

2. Stabilisierung des bestehenden Kita-Systems: Die Verbesserung der Personalschlüssel für Fach- und Leitungskräfte würde wesentlich zu einer Stabilisierung beitragen und ermöglichen, dass die Beschäftigten ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag nachkommen können.

 
Jennifer Distler aus Rheinland-Pfalz

3. Stopp des Abbaus der Qualitätsstandards: Die Vergrößerung der Gruppen und die Beschäftigung von unqualifiziertem Personal bedeuten ein Risiko für das Wohl der Kinder und ihrer Bildungsprozesse. Dies wird zunehmend zur Belastung für die Fachkräfte und befördert, dass diese sich andere Arbeitsfelder suchen.

 
Anke Jonas-Kroner aus Niedersachsen

4. Veranstaltung eines bundesweiten Kita-Gipfels: Die Kita-Misere muss zur Chefsache werden. Bund und Länder sind gleichermaßen in der Pflicht, Abhilfe zu schaffen, einen Maßnahmenkatalog für die Stabilisierung und den Ausbau des Systems zu entwickeln und die Verantwortung für dessen Realisierung zu übernehmen.

 
Silke Steingräber aus Nordrhein-Westfalen

5. Beteiligung des Bundes: Der Bund profitiert maßgeblich von den Steuereinnahmen durch die Beschäftigung der Eltern. Er ist in der Pflicht, sich dauerhaft und in einem relevanten Umfang an der Finanzierung und der fachlichen Weiterentwicklung des Systems Kita genauso wie an der sozialpädagogischen Ausbildung zu beteiligen. Wir erwarten – wie im Koalitionsvertrag der Bundesregierung – vereinbart, die Fortführung der Qualitätsentwicklung im Rahmen eines Qualitätsentwicklungsgesetzes und die Verstetigung der Mittel.

 
Joshua Egger aus Nordrhein-Westfalen

6. Stufenplan zum Ausbau der Erzieher*innen-Ausbildung: Die Stabilisierung des Systems und der geplante Ausbau der Kitas funktionieren nicht ohne einen Stufenplan zum Aufbau des nötigen Fachpersonals. Beides muss miteinander synchronisiert werden. Dafür werden abgestimmte Pläne und die Zusammenarbeit von Bund und Ländern benötigt.

 
Stefanie Lehmann aus Bremen

7. Geplanter und abgestimmter Kita-Ausbau: Der Ausbau des Kita-Systems zur Erfüllung der Bedarfe und Rechtsansprüche der Eltern ist durch den Bund und die Länder planvoll zu steuern, dabei ist der Aufbau des Fachpersonals so zu berücksichtigen, dass der quantitative und qualitative Bedarf der Kitas gedeckt werden kann.

Nachdem die Forderungen vorgetragen waren, übergab Martina Meyer aus Bayern als Vorsitzende der ver.di-Bundesfachgruppe Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit der Vorsitzenden Sascha Aulepp die Unterschriften.

 
Martina Meyer,Vorsitzende der ver.di-Bundesfachgruppe Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit und Sascha Aulepp, Vorsitzende der JFMK

Martina Meyer stellte heraus: „So eine langanhaltende Notstandssituation gab es noch nie – es wird von Woche zu Woche schlimmer. Wenn nicht bald etwas passiert, bricht alles zusammen.“  Sie betonte, dass die Beschäftigten erwarten, endlich ernst genommen zu werden und dass Bund, Länder und Kommunen in der Pflicht seien, miteinander Lösungen zu entwickeln, die die Gefährdungssituation für Kinder und Beschäftigte in den Kitas abwenden und die Grundlage dafür schaffen Bildungsprozesse zu ermöglichen, die sowohl für die einzelnen Kinder als auch für unsere demokratische Gesellschaft elementar sind.

Klar ist: wir dürfen nicht nachlassen! Und liebe Ministerinnen und Minister: Wir kommen wieder!

Die gesamte Aktion haben wir für Euch hier dokumentiert:

 

 

Als nächstes müssen wir dringend auf die Fortführung und die Finanzierung des sogenannten „Gute-Kita-Gesetz“ drängen! Alle Zeichen aus der Bundesregierung und dem Bundestag weisen darauf hin, dass der Bund sich aus der Finanzierung zurückziehen will. Das würde bedeuten, dass die begonnenen Maßnahmen zur Verbesserung der Bedingungen in den Kitas entweder von Ländern und Kommunen weiterfinanziert oder abgebrochen werden müssen. Das können wir nicht hinnehmen. Daher beteiligt Euch an der Aktion #JedesKindzählt

Unsere Aktion hatte eine breite mediale Resonanz zur Folge. Hier könnt ihr einige Medienberichte finden:

 

Kontakt

  • Dr. Elke Alsago

    Bun­des­fach­grup­pen­lei­te­rin / Di­pl. So­zi­al­pä­d­a­go­gin, So­zi­al­ar­bei­te­rin, Dia­ko­nin

    030/6956-2115