Soziale Arbeit

Nachruf für Angelika

26.01.2024

Nachruf für Angelika

Angelika ist fort und wird doch bleiben

 
Angelika Spautz * 1. 10. 1960 - † 7. 1. 2024

Für uns alle unfassbar ist am 07. Januar 2024 unsere Freundin, Mitstreiterin und Kollegin Angelika Spautz plötzlich verstorben.

Für uns, die ver.di Kolleg*innen aus der Sozialen Arbeit, ist Angelika eine der Mütter unserer Kämpfe und unserer Erfolge zur Aufwertung der Berufe in der Sozialen Arbeit unsere Mitstreiterin und Freundin.

Angelika war bereits am ersten Arbeitskampf der Kolleg*innen der Sozialen Arbeit 1990 auf allen Ebenen aktiv dabei. Damals waren wegen des massiven Widerstandes der Arbeitgeber die Erfolge bescheiden. Aber das konnte Angelika nicht entmutigen.  Innerhalb der ÖTV und später in ver.di wurde daher die Frage diskutiert, ob in der Sozialen Arbeit (ähnlich wie in der Krankenpflege) überhaupt ein wirksamer Arbeitskampf geführt werden kann. Und Angelika? Angelika ließ nicht locker. Sie hat in ver.di für Unterstützung gekämpft, war aktiv im Bezirk, im Landesbezirk und lange Zeit Vorsitzende der Bundesfachgruppe Sozial-, Kinder – und Jugendhilfe. Durch ihre Hartnäckigkeit gelang es, dass diese riesige und komplexe Organisation sich ganz hinter unsere Sache stellt. Das war der Beginn der größten Streiks der Nachkriegsgeschichte. Diese bewirkten die einzigen wirklichen Verbesserungen für die Soziale Arbeit.

Angelika war immer in der ersten Reihe dabei. Vor, während und nach den Streiks in den Einrichtungen war sie im direkten Gespräch mit den Kolleg*innen der Kitas, der Heime und der Jugendämtern. Auch in den Tarifverhandlungsgesprächen mit den Arbeitgebern vertrat sie uns fachlich kompetent, beharrlich und kämpferisch.

Dabei hatte sie nicht nur die gewerkschaftlichen Ziele im Auge. Angelika war immer da und persönlich ansprechbar. Sie hat uns mit ihren fundierten Positionen und ihrem Blick auf und aus der Praxis ermutigt und motiviert. Gleichzeitig fühlten wir uns durch ihre warmherzige und zugewandte Art mit unseren Fragen, Sorgen und Hoffnungen ernst- und angenommen. Sie bot uns die Möglichkeit Kontroversen respektvoll auszutragen und gemeinsam gute Positionen zu entwickeln. Angelika strukturierte Diskussionsprozesse, leistete Vermittlungs- und Verständigungsarbeit und es gelang ihr – oft mit einem Augenzwinkern – klare Botschaften auch an andere ver.di Gremien zu senden.

Das Miteinander kam in unserer Zusammenarbeit nie zu kurz. Angelikas Lebensfreude und Großherzigkeit, ihre Kreativität und ihr hintergründiger Humor wirkten ansteckend. So erinnern wir uns gern an gemeinsame Abende, an Spaß, an Gesang und an Fastnachtssitzungen bei den Meenzer Drecksäck, zu denen uns Angelika eingeladen hat.

Es war uns ein Fest – Dich, Angelika – erleben zu dürfen!

Für alle diejenigen, die Angelika nicht erleben konnten, ist ihre Bedeutung für ver.di und die Soziale Arbeit heute kaum zu erkennen. Dies liegt daran, dass ihre Bedeutung für uns von ihrer Bescheidenheit übertroffen wurde.

Brecht schrieb: „Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.“

In diesem Sinne lebt Angelika weiter. Wir hatten das Glück mit Angelika zu arbeiten, zu streiten, zu kämpfen und das Leben zu feiern.

Danke, liebe Angelika, wir wissen, was Du für uns getan hast und werden Dich immer in Erinnerung behalten.

Für „Deinen“ Bundesfachgruppenvorstand Sozial-, Kinder – und Jugendhilfe

Toren Christians, Karin Gödecke, Hilke Babbe, Peter Erlbeck, Karina Mester, Heike Rippert, Harald Giesecke und Alexander Wegner

Für den aktuellen Bundesfachgruppenvorstand Bildung, Erziehung und Soziale Arbeit:

Martina Meyer, Runa Pal und Elke Alsago

Berlin, Januar 2024

 

Kontakt

  • Dr. Elke Alsago

    Bun­des­fach­grup­pen­lei­te­rin / Di­pl. So­zi­al­pä­d­a­go­gin, So­zi­al­ar­bei­te­rin, Dia­ko­nin

    030/6956-2115