Reisebranche

Zeit zu verhandeln

Bei dem Geschäftsreiseanbieter BCD drängen die Beschäftigten darauf, einen Entgelt-Tarifvertrag zu verhandeln. Der Arbeitgeber lehnt dies nach wie vor ab.
05.07.2024

BCD ist der einzige Geschäftsreiseanbieter, bei dem ein Haus-Tarifvertrag gilt. Man könnte meinen, damit wäre alles gut. Doch weit gefehlt! In dem zum 1. Oktober 2013 abgeschlossenen Mantel-Tarifvertrag (MTV) gibt es nicht nur eine Verhandlungsverpflichtung zu einem Entgelttarifvertrag, in § 24 des MTV wird sogar ausdrücklich auf diesen verwiesen. Und dennoch weigert sich die Arbeitgeberin nun seit mehr als zehn Jahren, in Verhandlungen einzutreten.

Stattdessen hat sich über die Jahre ein für die Kolleg*innen undurchsichtiger Urwald bei der Frage der Gehaltsfindung auf den verschiedenen Stellen entwickelt. Intransparenz und sehr unterschiedliche Bezahlung sind gerade auch nach der Corona-Pandemie aufgrund des Personalmangels in der Branche an der Tagesordnung. Neueinstellungen oder auch Wiederkehrer erhalten oftmals mehr oder zumindest genauso viel wie langjährig Beschäftigte, die dem Unternehmen auch in der Corona-Krise die Treue gehalten haben. Dies führt verständlicher Weise zu Frust und Unmut bei vielen Beschäftigten.

Dem kann nur mit einem Entgelt-Tarifvertrag, der eine transparente und nachvollziehbare Gehaltsfindung ermöglicht, begegnet werden. Die Bundestarifkommission hat daher, begleitet von Aktionen, diese nicht mehr hinnehmbare Ausgangslage zum Anlass genommen, die Arbeitgeberin erneut zu Verhandlungen aufzufordern. An einer Videokonferenz zu dem Motto „Zeig Gesicht für einen Entgelt-Tarifvertrag bei BCD!“ haben sich hundert Personen eingewählt. Auf Betriebsversammlungen haben die Beschäftigten über die Teilnahme an einer Umfrage deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie von ihrer Arbeitgeberin erwarten, in Tarifverhandlungen einzutreten. Und an einer Beschäftigtenbefragung dazu hat sich rund ein Drittel beteiligt. Trotz dieser mehr als deutlichen Signale der Kolleg*innen hat der Arbeitgeber der Bundestarifkommission schriftlich mitgeteilt, dass er nicht in Verhandlungen zu einem Entgelt-Tarifvertrag treten wird. Nun ist es an den Beschäftigten, deutlich und stark aufzutreten und für ihren Tarifvertrag einzustehen!

 

Kontakt

  • Sonja Austermühle

    Bun­des­fach­grup­pen­lei­te­rin Be­son­de­re Dienst­leis­tun­gen