Soziale Arbeit

Institutioneller Missbrauch in der Jugendhilfe darf nicht legitimiert werden!

14.12.2023

Institutioneller Missbrauch in der Jugendhilfe darf nicht legitimiert werden!  

Am 23.11.2023 urteilte das Verwaltungsgericht Cottbus, der Entzug der Betriebserlaubnis für die Heime der Haasenburg GmbH sei rechtswidrig gewesen. Die Schließung war 2013 durch Druck und Engagement der betroffenen Jugendlichen, engagierten Jugendhilfeexpert:innen und Journalist:innen, dem Bündnis gegen Geschlossene Unterbringungen sowie Jugendpolitiker:innen der Partei DIE LINKE erreicht worden. Die schwarze „Pädagogik“ der Haasenburg umfasste Freiheitsentzug, Isolation, wiederholte Suizide von Insassen der Haasenburg, sexuellen Missbrauch, Misshandlungen und Körperverletzung, rassistische Diskriminierung, sowie einen ungeklärten Todesfall (vgl. https://de.wikipedia.org/wiki/Haasenburg). Noch heute haben die Betroffenen mit den psychischen und physischen Folgen ihrer Unterbringung in dieser Einrichtung zu kämpfen.

Das neue Urteil des Verwaltungsgerichts ist für uns nicht nachvollziehbar, ein Schlag ins Gesicht der Betroffenen und ein Angriff auf Menschenrechte von Kindern- und Jugendlichen. Auch stellt das Urteil die Betriebserlaubnisverfahren nach  § 45 SGB VIII und deren Wirksamkeit in Frage.

Für uns als Bundesfachgruppenvorstand Erziehung, Bildung und Soziale Arbeit ist eine solche „Pädagogik“ nicht hinnehmbar. Sie entspricht in keiner Weise unserer professionellen Ethik. Uns ist es wichtig, dass sozialpädagogische Arbeit „die Adressat*innen in die Lage versetzt, sich selbst zu ermächtigen, selbstbewusst und selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen und ihre eigenen Interessen und Rechte individuell und kollektiv wahrzunehmen.“ (Selbstverständnis Sozialer Arbeit) Das Wegsperren von Kindern und Jugendlichen, das Ausüben von Zwang und Gewalt, das Bloßstellen und Diffamieren verbietet sich in einer respektvollen Pädagogik, die erreichen will, dass Kinder und Jugendliche zu selbstbestimmten und mündigen Bürgern heranwachsen können.

Daher fordern wir gemeinsam mit der BAG Kindheit und Jugend in der Partei DIE LINKE sowie dem bundesweiten Aktionsbündnis gegen geschlossene Unterbringung von der Bundesregierung:

  • Die Aufnahme der Kinderrechte in das Grundgesetz,
  • Ein Verbot der Geschlossenen Unterbringung im Kinder- und Jugendhilfegesetz
  • die Aufnahme des Tatbestands der “institutionellen Gewalt” in SGB XIV um Geschädigten in der Heimerziehung Entschädigung zu ermöglichen
  • Eine Evaluation über die Wirksamkeit der im Rahmen des KJSG getroffenen Regelungen zur Stärkung der Heimaufsicht,
  • Konsequenzen aus den Ergebnissen der Evaluierung des Gesetzes zur Einführung eines familiengerichtlichen Genehmigungsvorbehalts für freiheitsentziehende Maßnahmen bei Kindern zu ergreifen, um den dort beschriebenen Missständen zu begegnen

Von der Landesregierung Brandenburg fordern wir:

  • sich zu ihrer Verantwortung zu bekennen, am Entzug der Betriebserlaubnis 2013 festzuhalten und Revision gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Cottbus einzulegen,
  • Schadenersatz für die ehemaligen Insassen der Haasenburg zu leisten,
  • Einrichtungen, die mit Methoden der geschlossenen Unterbringung arbeiten, nicht zuzulassen.

Link zur gemeinsamen Stellungnahme

An dieser Stelle wollen wir euch auf die Fachtagung “Bei uns fliegst du nicht raus!” hinweisen, die am 24.01.2024 in Hamburg stattfindet und sich damit beschäftigt, wie es gelingen kann, diese  Maxime in der Praxis zu realisieren.  

Weiterführende Lektüre, an der auch einige unserer ver.di-Kolleg*innen mitgearbeitet haben: 
Degener, Kunstreich, Lutz, Mielich, Muhl, Rosenkötter und Schwagereck (2020):  „Dressur zur Mündigkeit? Über die Verletzung von Kinderrechten in der Heimerziehung“. Weinheim. Basel.  Lindenberg/Lutz (2021): Zwang in der Sozialen Arbeit. Stuttgart.

 

 

Kontakt

  • Dr. Elke Alsago

    Bun­des­fach­grup­pen­lei­te­rin / Di­pl. So­zi­al­pä­d­a­go­gin, So­zi­al­ar­bei­te­rin, Dia­ko­nin

    030/6956-2115

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