Publikation

Waterfront 01/2024

25.06.2024

Liebe Kolleg*innen,

Demokratie lebt von Beteiligung. Demokratie lebt von Diskurs. Stell dir vor, es ist Wahl und alle gehen hin. Während in Ländern wie Indien die Menschen Schlange stehen, um von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, verzichten hierzulande immer mehr Menschen auf ihre demokratische Stimme und bleiben der Wahlurne fern. Analysen zeigen, dass es Parteien immer weniger gelingt, ihre potenziellen Wählerinnen und Wähler zu mobilisieren. In einem Alltag, der von vielfältigen Anforderungen aus Familie, Job und Freizeit geprägt ist, bleibt für ehrenamtliches Engagement oft wenig Zeit und das demokratische Recht auf die eigene Meinung wird zur Bürde. Das spüren auch die Gewerkschaften.

Das Paradoxe daran ist: Im Zuge der allseitigen Veränderungsprozesse, die wir gegenwärtig erleben, braucht es mehr denn je politisches Engagement und gesellschaftlichen Einsatz. Wir stehen vor großen Veränderungen, gesellschaftlich, klimapolitisch, technologisch. Wenn hart erkämpfte Rechte wie das Recht auf Streik oder Mitbestimmung öffentlich in Frage gestellt werden, müssen wir uns entschieden dagegen positionieren und Geschlossenheit zeigen. Es kommt auf jede*n von uns an!

„Die Lüge macht sich gut von vorn, die Wahrheit mehr von hinten“, schrieb Wilhelm Busch. Aber die Zukunft ist nicht vorgegeben, vielmehr liegt es an uns, sie zu gestalten. Als mündige Bürger*innen haben wir die Verantwortung, unsere Stimme zu erheben und für unsere Rechte und unsere Vision von einer lebenswerten Zukunft einzustehen. Verantwortung übernehmen für das eigene Handeln und verantwortungsbewusst handeln für unsere Kinder und Umwelt – im Alltag und am Wahltag. 

Wollen wir ein soziales Deutschland und Europa, in dem Arbeitnehmendenrechte universalen Charakter haben und die Beschäftigten im Zentrum politischer Entscheidungen stehen? Oder wollen wir Zustände, in denen die Kräfte des Marktes dominieren und „Hire & Fire“ zum Mantra wird? Brüssel und Strasbourg, aber auch Berlin scheinen manchmal weit weg, und doch bestimmt die Politik unser tägliches Leben und beeinflusst unsere Arbeitswelt. Die Arbeitsbedingungen jedes und jeder Einzelnen stehen auch in Abhängigkeit von politischen Entscheidungen; sei es bei Arbeitsschutz und -sicherheit oder als Resultat von branchenpolitischen Entscheidungen und folgendem Druck auf lokale Beschäftigung. Die Kolleg*innen beim Lotsbetriebsverein oder den Laschbetrieben spüren dies täglich. Es sind die Parlamente, ob Europa- oder Kommunalparlament, Bundestag oder Landtage, auf deren Zusammensetzung wir mit unserer Stimme direkten Einfluss nehmen können. Darauf dürfen wir nicht verzichten.

Auf nationaler und europäischer Ebene erstarkt nationalistisches Gedankengut. Einmal mehr müssen wir aufstehen und mit unserer Stimme sicherstellen, dass Hass und Hetze keinen Platz in unseren Parlamenten und Regierungen finden. Eine respektvolle politische Debatte und eine inklusive Gesellschaft sind grundlegende Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie. Für Solidarität und ein Miteinander auf Augenhöhe.

Mit kollegialen Grüßen

Maya Schwiegershausen-Güth
Bundesfachgruppenleiterin Maritime Wirtschaft ver.di

 

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  • Maya Schwiegershausen-Güth

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    030/6956-2610

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Ältere Ausgaben der Waterfront können über den Fachbereich Öffentliche und private Dienstleistungen, Sozialversicherung und Verkehr in der ver­.­di Bun­des­ver­wal­tung bezogen werden. Kontakt: kommunikation.fb-b.buv@verdi.de