Publikation

Waterfront 01/2023

23.08.2023

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Jahr für Jahr fließen viele Millionen Beihilfen an deutsche Reedereien. Zuletzt waren es rund 44 Millionen Euro, die dazu dienen sollten, im internationalen Wettbewerb mithalten zu können und den Standort zu stärken. Doch trotz dieser Millionen ist die Zahl der deutschen Seeleute seit Jahren rückläufig. Von rund 2 Millionen Seeleuten weltweit haben nur gut 4.700 einen deutschen Pass, insgesamt sind knapp 7.400 auf Schiffen mit deutschen Eigentümern beschäftigt. Immer weniger junge Leute interessieren sich für den eigentlich spannenden Beruf als Seefahrer oder Seefahrerin. Und das, obwohl Deutschland als weltweit drittgrößte Import- und Exportnation zwingend auf maritimes Knowhow und sichere Seewege angewiesen ist. Das Problem ist, dass es zunehmend an Perspektiven und Vorbildern fehlt, die junge Menschen für eine Karriere auf See begeistern könnten. In der Folge kommt uns in Deutschland die Zukunft in der Seeschifffahrt immer mehr abhanden.

Nun findet die nächste Maritime Konferenz im September in Bremen unter dem Motto „Standort stärken. Klima schützen. Zukunft gestalten“ statt. Damit die Maritime Wirtschaft in Deutschland eine Zukunft hat, fordern wir bereits seit vielen Jahren, die Arbeit auf See durch eine Ausbildungsoffensive und attraktive Arbeitsbedingungen zu stärken. Die öffentliche Hand könnte dazu einen zentralen Beitrag leisten, wenn sie das Geld, das sie jährlich an die Reeder überweist, endlich an Bedingungen knüpfen würde: Staatliche Förderungen müssen an Ausbildung und Tariftreue gekoppelt werden – sonst subventioniert die Gesellschaft Ausbeutungsverhältnisse und Altersarmut!

Außerdem müssen Unternehmen im Sinne des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen in der kompletten Lieferkette übernehmen. Die Corona-Pandemie, die anhaltende Klimakrise, der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine – alle diese Krisen haben uns gezeigt, wie wichtig, aber auch zerbrechlich unsere Lieferketten sind. Kaum jemand nimmt heute wahr, dass hinter diesen Lieferketten Beschäftigte stehen, die Waren, Güter, aber auch Menschen und Tiere tagtäglich über die Ozeane transportieren. Als Gewerkschaft sehen wir die katastrophalen Zustände an Bord vieler internationaler Handelsschiffe fernab global agierender Konzerne. Mit der Verabschiedung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes hat Deutschland ein starkes Zeichen gesetzt.

Was wir jetzt allerdings brauchen, ist eine Verantwortlichkeit der Auftraggeber für die gesamte Lieferkette – und mehr Kontrollen: quantitativ und qualitativ. Dann besteht auch eine Chance beim Nachwuchs.

VIELE GRÜSSE
CHRISTINE BEHLE

 

Downloads

Kontakt

  • Maya Schwiegershausen-Güth

    Bun­des­fach­grup­pen­lei­te­rin Ma­ri­ti­me Wirt­schaft

    030/6956-2610

Hinweis

Ältere Ausgaben der Waterfront können über den Fachbereich Öffentliche und private Dienstleistungen, Sozialversicherung und Verkehr in der ver­.­di Bun­des­ver­wal­tung bezogen werden. Kontakt: kommunikation.fb-b.buv@verdi.de